Workshop „Gelehrsamkeit“ – Neue Perspektiven auf ein altes Paradigma
Der Workshop versammelte Wissenschaftler*innen aus unterschiedlichen Fachrichtungen, um die historischen, theoretischen und methodischen Dimensionen von Gelehrsamkeit zu diskutieren. Im Mittelpunkt standen Fragen wie: Inwiefern ist das Modell der Gelehrsamkeit heute noch relevant? Wie verändern sich Formen gelehrter Praxis im Kontext der Spezialisierung und Digitalisierung der Wissenschaften?
Programmatische Schwerpunkte des zweitägigen Workshops umfassten unter anderem:
- Eine Analyse von gelehrten Autobiographien und reflexiven Textformen in der Ethnologie.
- Beiträge zur Rezeption und Transformation literarischer Kanonwerke im Spiegel gelehrter Lektüren.
- Diskussionen über Körpergeschichte, Habitus und Praxis gelehrter Kennerschaft in kunsthistorischen Kontexten.
Auch Dr. Knut Martin Stünkel aus dem Teilprojekt C03 des SFB 1475 nahm mit einem Beitrag an dem Workshop teil. In seinem Vortrag „Über den dynamisierenden Vergleich mittels des Gelehrten in der Religionsgeschichte“ widmete er sich der Rolle von Gelehrsamkeit als einem ebenso umstrittenen wie produktiven Faktor in der Religionsgeschichte. Ausgehend von der Unterscheidung zwischen Gelehrsamkeit und Nicht-Gelehrsamkeit zeigte er, wie diese Differenz in konkreten historischen Kontaktsituationen zur Dynamisierung, Etablierung und Ausbreitung religiöser Traditionen beiträgt. Anhand von Beispielen aus der europäischen Religionsgeschichte des 16. und 18. Jahrhunderts – unter anderem aus der radikalen Reformation und dem Sabbatianismus – wurde deutlich, wie Konzepte von Gelehrsamkeit religiöses Wissen strukturieren und historische Transformationsprozesse prägen.
Die Beteiligung am Workshop ergänzt die bereits bestehende Kooperation zwischen dem SFB 1475 „Metaphern der Religion“ und dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen, die sich unter anderem in der gemeinsamen Vortragsreihe „Im Gegenwind“ etabliert hat, die in Kürze fortgeführt wird.
