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METAPHOR TALK

Metaphern im Verwaltungsrecht: Patrick Hilbert über Sprache und juristisches Denken

Am 6. Juli 2026 durften wir Prof. Dr. Patrick Hilbert von der Universität Münster bei uns im SFB 1475 begrüßen. In seinem Metaphor Talk zeigte Hilbert, dass religiöse Metaphern auch juristische Argumentationen prägen.

Anhand ausgewählter Beispiele aus der verwaltungsrechtlichen Dogmatik ging er der Frage nach, welche Funktionen diese sprachlichen Bilder erfüllen und wie sie das juristische Denken strukturieren. 

Im Interview spricht der Rechtswissenschaftler über seinen Zugang zum Thema, die Rolle von Metaphern in der Rechtswissenschaft und die Impulse, die sich aus dem interdisziplinären Austausch mit dem SFB 1475 ergeben.

SFB 1475: Wie sind Sie zu Ihrem Vortragsthema gekommen – was hat Ihr Interesse daran geweckt?

Hilbert: In Vorlesungen unterrichte ich oft, dass sich ein Anspruch auf Zugang zu öffentlichen Einrichtungen bei Kapazitätserschöpfung in einen Anspruch auf ermessensfehlerfreie Auswahlentscheidung „wandelt“, wie es in der juristischen Dogmatik heißt. Eine tragfähige juristische Begründung für dieses sinnvolle Ergebnis gibt es nicht. Es hat mein Interesse geweckt, wieso wir Juristen uns in diesem Fall mit einer Metapher, einer religiös konnotierten zumal, behelfen. Die Beschäftigung mit dieser Frage hat mich dazu geführt, dass Metaphern in der Sprache der Rechtswissenschaft und der Rechtsanwendung unterschiedliche Funktionen erfüllen – und unter anderem Begründungen ersetzen.

SFB 1475: Was hat Sie im Laufe Ihrer Arbeit an diesem Thema am meisten überrascht oder irritiert?

Hilbert: Wie vielfältig die Verwendungsweisen und die Funktionen von Metaphern in der Rechtswissenschaft sind.

SFB 1475: Was ist ein zentraler Gedanke aus Ihrem Vortrag, den Sie dem Publikum gern mitgeben möchten?

Hilbert: Metaphern erfüllen für die Sprache der Rechtswissenschaft und Rechtsanwendung verschiedene Funktionen und sind deshalb nicht nur schön, sondern hilfreich, manchmal aber auch gefährlich.

SFB 1475: Ist Ihnen in letzter Zeit in Ihrem Alltag eine Metapher begegnet, die Sie besonders interessant fanden? Welche war das – und warum?

Hilbert: In negativer Hinsicht: „Da sind mir leider die Hände gebunden.“ – weil sie meistens nur Unwillen ausdrückt, dies aber in ein Bild kleidet, in dem der Unwillige als Gemarterter erscheint. In positiver Hinsicht: „ Das Leben ist ein Karussell.“ – weil sie zwar für Wechselhaftes steht, aber einen fröhlichen Grundton transportiert.

SFB 1475: Haben Sie eine Lieblingsmetapher aus Ihrem Forschungsmaterial? Wenn ja, welche – und was macht sie für Sie besonders interessant?

Hilbert: Die „Wandlung“ des Anspruchs auf Zugang zu öffentlichen Einrichtungen in einen Anspruch auf ermessensfehlerfreie Auswahlentscheidung ist mein Favorit, weil die Metapher hier äußerst präzise ist, denn sie zeigt etwas Unerklärliches an, das wir trotzdem gerne annehmen.