Das Selbst als Metapher: Sven Sellmer über Menschenbilder im Veda
Die vedischen Texte zählen zu den ältesten überlieferten Schrifttraditionen der Welt und bieten wertvolle Einblicke in die Entstehung religiöser und anthropologischer Vorstellungen. Dabei werden abstrakte Konzepte wie Geist, Selbst oder Seele häufig durch Metaphern verständlich gemacht und in Beziehung zu Erfahrungen aus der Lebenswelt gesetzt.
Im Interview spricht Sven Sellmer darüber, wie er zum Thema der Metaphern in den Veden gekommen ist und was er dem Publikum gerne mitgeben möchte.
SFB 1475: Wie sind Sie zu Ihrem Vortragsthema gekommen – was hat Ihr Interesse daran geweckt?
Sellmer: Ich interessiere mich schon seit vielen Jahren für die Entwicklung von Konzeptionen des Geistes und verwandter Begriffe im alten Indien und Griechenland vor dem Entstehen von Philosophie und Psychologie. Da Geistkonzeptionen höchst abstrakt sind, werden sie notgedrungen mithilfe von Metaphern ausgedrückt, und so beschäftige ich mich im Rahmen dieses Forschungsprojektes im Grunde automatisch hauptsächlich mit Metaphern.
SFB 1475: Was hat Sie im Laufe Ihrer Arbeit an diesem Thema am meisten überrascht oder irritiert?
Sellmer: Was ich immer noch überraschend und faszinierend finde, ist die große Anzahl an Entitäten und Metaphern, die in den Veden verwendet werden, um über den Bereich des Denkens und Fühlens zu sprechen.
SFB 1475: Was ist ein zentraler Gedanke aus Ihrem Vortrag, den Sie dem Publikum gern mitgeben möchten?
Sellmer: Man kann über das Denken nicht ohne Metaphern nachdenken.
SFB 1475: Ist Ihnen in letzter Zeit in Ihrem Alltag eine Metapher begegnet, die Sie besonders interessant fanden? Welche war das – und warum?
Sellmer: „Das Leben ist kein Ponyhof“ – eine aggressive Metapher, die ich nicht besonders mag. Interessant finde ich, dass sie nur in der Verneinung existiert, denn wer hätte jemals behauptet, dass das Leben ein Ponyhof ist?
SFB 1475: Haben Sie eine Lieblingsmetapher aus Ihrem Forschungsmaterial? Wenn ja, welche – und was macht sie für Sie besonders interessant?
Sellmer: Ich mag Metaphern, die das Herz als Element enthalten, denn ihnen verbinden sich häufig verschiedene Aspekte des menschlichen Denkens und Erlebens auf faszinierende Weise.
